Charlottenburg - das Runddorf im Banat - Originalartikel

 

Gegründet im Jahr 1771 ist Charlottenburg die einzige kreisförmige Siedlung im Temescher Banat. Der runde Platz liegt im inneren, nach außen sind die Höfe fächerförmig angelegt.

 

Török Enikö

 

Der Innenplatz mit einem Brunnen in der Mitte, auf der Karte von 1784 eingezeichnet, war mit Maulbeerbäumen bepflanzt. Ursprünglich gab es 4 Zufahrtsstraßen in das Zentrum des Platzes, später hat sich die Straßenstruktur aber geändert, wie auf der Karte von 1821 zu sehen ist. Das Dorf wurde während der zweiten Koloniserungswelle im Jahr 1771 von 131 deutschen Kolonisten gegründet. Die Kolonisten wurden vom Temeswarer Gouverneur, Graf Karl Ignaz Clary-Aldringen angesiedelt. Im Jahr 1782 wurde das Dorf von der Kammer an Pósfay József verkauft, im Jahr 1814 geht es in den Besitz des Prinzen Karl Schwarzenberg über, später in Kevermesi Thököly Péters Besitz und im Jahr 1838 in den Besitz des Barons Sina Georg.

 

Die Ortspläne sind im Jahr 1895 in das Ungarische Nationalarchiv, während des Transfers der Dokumente aus der Mappierungs Direction der Temescher Kameral-Administration, übernommen worden. Die Mappierungs Direction war 1780 als der Nachfolger des Mappierungskorps nach dem Wiederanschluss des Temescher Banats gegründet worden und nannte sich von 1812 an Planarchiv.

Die Direktion hatte folgende Aufgaben:

- Kartografierung in Verbindung mit der Kolonisation und Urbarialregulation

- Vermessung der überländer und der Industrialien

- Planung der Ortschaften (Wiederaufbau und Entwicklung der alten Ortschaften nach geometrischen Plänen)

- Nachführung der Veränderungen von Eigentumsverhältnissen, Durchführung von Korrekturen.

 

Charlottenburg 1775

Franz Häscher: Plan von dem Dorff Scharlodenburg ..., 1775 (Mit Koller's Grenzkorrekturen von 1784)

Ungarisches Nationalarchiv: Kartensammlung - Königliche kameralische Mappierungs Direction - Karte (S1) - No 102/1

 

Die zu den Karten gehörenden Akten, Grundbücher sind im Falle Charlottenburgs leider nicht erhalten geblieben, dennoch können zahlreiche Informationen direkt aus den Karten gelesen werden. Die erste Grundstücksverteilung vor 1780 wurde von dem Kammeral-Ingenieur Franz Häscher im Jahr 1775 durchgeführt. Entsprechend der Tabelle auf der Karte existierten 31 halbe Grundstücke, Weingärten, Obstgärten und Weiden. Das Dorf hatte Kirche, Pfarrhaus, Friedhof, Wirtshaus, Metzgerei, Mühle und Scheune. Einige Parzellen sind mit dem Namen der Besitzer beschriftet, die schwarzen Zahlen bezeichnen die Nummer der Parzelle, die roten Zahlen die Hausnummer. Mit Ausnahme der 7 leeren Parzellen sind folgende Besitzer eingetragen:

Gothardt Vend, Matheus Zoster, Johannes Guberta, Maria Margaretha Luczianin Wittwe, Simon Guberta, Jacob Robbe, Antoni Mott, Johann Schweitzer, Adam Marx, Christoph Weingärtner, Johannes Corneth, Lorentz Schweitzer / Schweizer, Christian Gygi / Gigy [Hügner], Joseph Higne [Hügner] senior, Nicola Higne [Hügner], Joseph Higne junior, Christoph Mischelis, Johannes Andriolo, Thomas Longo, Bartholomae Trettell, Pietro Sanolli Sanoli, Gotfridt Breitterer / Breitrer / Breiterer, Paul Hollinger.

 

Auf einer anderen Karte, eine Kopie der Karte von Wilhelm von Prockelt (S 1 No 102/2), sind die Namen der Besitzer der Weingärten und Weiden zu finden: Partholome [Batholomäus] Drettel, Peter Danalin, Jacob Rubel [Robbe?], Simeon Gubert, Jordan Zician et Andriolo, Patista [Baptist] Guberda, Gorhard Weiner, Paul Höllinger, Tomas Lonko, Johan Andreo[Andrioli?], Jacob Mihayli, Mathias Roster [Zoster?], Joseph Hieginie junior, Johan Schweizer, Lorenz Schweitzer, Johann Kornet, Cristoph Weingärner, Adam Mark, Nicola Hieginie, Gotfrid Preiter, Josep Higin senior, Lopad Cornicon v. Aliosch [aus Alios], Petro Januschel v. Aliosch, Philipp Stej.

Die unterschiedliche Orthographie und Aussprache bezeichnet oft die gleiche Person oder Familie, zum Beispiel: Trettel – Drettel, Higne – Hieginie – Higinie, Guberta – Guberda – Gubert, Breitterer – Breitrer – Breiterer – Preiter.

 

Charlottenburg 1784

Franz Häscher – Koller: Karte Charlottenburg, 1784

Ungarisches Nationalarchiv: Kartensammlung - Königliche kameralische Mappierungs Direction - Karte (S1)- No 102

 

Im Oktober 1784 hat der Ingenieur Koller die vorhergehenden Vermessungen geprüft und korrigiert. Er hat Grenzänderungen durchgeführt (Karte S 1 No 102/1), die Vermessungen einiger Gebiete wiederholt, die Berechnungen korrigiert und die Ergebnisse in eine separate Tabelle eingetragen. Während der Aktualisierung wurde zum Beispiel festgestellt dass gegenüber der vorhergehenden Vermessung auch bezüglich der überländer (Differenz zwischen den von Bauern bearbeiteten Flächen und denen im Urbarium verzeichneten) große Abweichungen existieren. In der Karte von 1784 sind entlang der Grenzen die Namen der Besitzer und die Nummern der Parzellen eingetragen:

Joseph de Bosfaj, Andreas Schweitzer, Peter Perann, Cristoph Leinwerth, Thomas Meschymosser, Phillip Lechner, Andrila Janosch, Heinrich Scheuerman, Azim aluj Georgie, Simon Gubert, Akim st. Jano, Christoph Weingärt[ner], Georgie st. Jano, Johann Andriol[i], Rista Gabrilla, Jakob Roppel, Thoma Mihaj, Lorenz Schweitzer, Jacob Würtash, Peter Hekmann, Franz Marp, Abraham Leyer, Johann Gubert, Andreas Grill, Joseph Zweeng, Johann Buchert, Kasper Heilmann, Schivoin Millin, Franz Schano, Pable Poppovitz, Peter Roster, Jonn Schurs.

 

Eine separate Tabelle enthält die Industrialien (Allodialgut - von Bauern bearbeitet, die an den Eigentümer einen festen Betrag für die Benutzung bezahlen, im Wesentlichen also verpachtete Flächen) innerhalb dessen die Weinberge und Weiden getrennt, zusammen mit dem Namen der Besitzer: Joseph Hygner, Mattes Albert, Simon Gubert, Lorenz Schweitzer, Kasper Heilmann, Julianna Schweitzerinn, Margaretha Hygner, Margaretha Roster, Christoph Michelj, Thomas Longo, Paul Höllinger, Johann Gubert, Johann Andriolo, Jakob Roppel, Anna Dannolinn, Andreas Schveitzer, Christian Hügner, Johann Andriolo, Phillipp Stey, Jacob Rubel, Lapadat Kornikon aus Alleusch, Peter Janoschel aus Alleusch.

 

Charlottenburg 1821

Kasmir Johann Haag -Anton Fr. v. Baselli: Karte Charlottenburg, 1821

Ungarisches Nationalarchiv: Kartensammlung - Königliche kameralische Mappierungs Direction - Karte (S1) - No 102/3

 

Im Jahr 1794 wurden die Grundstücke vom Ingenieur Kasimir Johann Haag neu verteilt. Seine Karte kennen wir durch die Kopie von Anton Fr. von Baselli, aus dem Jahr 1821. Aus dieser Karte ist zu sehen, dass das Straßennetz im Innenbereich des Dorfes am Anfang des 19-ten Jahrhunderts verändert wurde, es führen nur noch drei Hauptstraßen in das Zentrum. Im Dorf gab es auch schon eine Schule. Unter den Inhabern von Wein- und Obstgärten sind folgende Namen zu lesen: Fridrich Gall, Lenhard Erd, Eva Hebmaum, Joseph Saitz, Michl Zeitvogel, Johan Konrad, Thomas Müller, Georg Pfefferman, Bernhard Huk, Johan Simon Blumenthal, Niklas Mithauer, Jeremias Blauhorn, Ursala Himmlsbacher, Johan Bauer, Hironimus Paulin Wiesenh, Christian Graff, Johan Mayer, Johan Döringer, A. Maria Schum Atringen, Ludwig Hopp, Ernest Huck. Auf den Allodium hatten Hausplätze: Peter Schöpfler, Georg Ashauser, Konrad Frenol, Lorenz Sonlag, Heinrich Töröck, Fideli Fertig, Porton Pister, Jeremias Blauhorn, Benhard Erd und Franz Kranz.

 

Die Karten Charlottenburgs sind gute Beispiele für die im Bestand der Mappierung Direction aufbewahrten kartographischen Materialien, der sogenannten Urbarialkartensammlung. In ihrer großen Mehrzahl sind es eigentlich Urbarial-Karten, also Besitzkarten mit dem Zweck die Abgaben festzulegen. Sie stellen in erster Reihe die urbarialen Besitze bzw. die von urbarialen Pächtern genutzten Grundstücke dar, es sind aber auch die Allode erwähnt. Die Namen der Besitzer, der Pächter sowie die Daten bezüglich dem Anbau sind entweder direkt auf der Karte oder in den der Karte beigefügten Dokumenten, Unterlagen und Grundbüchern registriert. Urbarialkarten aus dem 18-19 Jahrhundert sind in Ungarn erhalten geblieben.

 

 

Referenzen:

Irmédi-Molnár László: A Magyar Kamara térképező munkálatai a Temesközben 1780-tól 1859-ig. In: Térképtudományi tanulmányok. A budapesti Eötvös Lóránd Tudományegyetem Térképtudományi Tanszékének évi beszámolója az 195658. évre. Budapest, 1958. 588. p.

(Von der Ungarischen Industrie- und Karten-Arbeiten für die Timisoara Zwischenzeit von 1780 bis 1859. In: Studien Kartographie. Die Eötvös-Loránd-Universität, Institut für Kartographie der Jahresbericht Jahr 1956-1958. Budapest, 1958. Seiten 5-88.)

Webseite des Dorfes Charlottenburg im 20. Jahrhundert (diese) und Ansicht mit Google-Maps.

 

A.d.Ü.

Allodium - im mittelalterlichen Recht der persönliche Besitz, das Familienerbgut, im Gegensatz zum Lehen oder grundherrlichen Land [Duden]

 

Urbarium - mittelalterliches Güter- und Abgabenverzeichnis großer Grundherrschaften, Grundbuch [Duden]