Ich kann nur über die Arbeiten nach der Enteignung und "Kollektivierung" also der Gründung der LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) was schreiben. Es wird vorher wohl nicht viel anders gewesen sein.

Chronologie

Das ganze Jahr hindurch musste das Vieh versorgt werden: dreimal täglich füttern, Stall ausmisten usw. Das waren 1-2 Kühe, Schweine, Hühner, Gänse, Enten, Puten. Dazu Hunde und Katzen.

Höhepunkte

Nach dem Anbauen (Aussähen), musste man trachten, dass man den Garten auch schön pflegt um eine gute Ernte zu bekommen. Die Erde musste von Unkraut frei und so gut wie möglich, locker gehalten werden. Dazu hat man die Rüben zweimal gehackt, den Mais einmal "gehackt" und das zweite Mal wurde er gehackt und "angehäufelt", damit er die oftmals starken Sommerstürme überlebt und sich nicht umgelegt hat. Aus dem gleichen Grund wurden die Kartoffeln zweimal mal "gehäufelt". Ganz wichtig war, da der Charlottenburger Boden doch sehr lehmig ist, dass man nicht im Nassen gearbeitet hat. Wenn man im Nassen gearbeitet hat, haben sich Schollen gebildet die sehr hart sein konnten. Da es sich manchmal nicht vermeiden ließ, kann ich mich noch an das Schollenkloppe erinnern. Da hat man mit dem Hackengehäuse so lange auf die Schollen eingedroschen bis sie zertrümmert waren.

Die wichtigste Arbeit im Sommer war das "Heu machen". Man hat von der LPG jedes Jahr ein Stück Wiese zugewiesen bekommen (manchmal auch dass was vor der Enteignung sein Eigentum war). Ab Juni ging es mit dem Mähen los. Natürlich mit der Sense und nicht mit irgendeinem Grasmäher (die waren ja enteignet). Das Mähen ging am besten im Morgentau. Deswegen hat man Morgens früh (ab circa 4-5 Uhr bis spätestens 10 Uhr) gemäht. Für ein Stück Vieh, brauchte man soweit ich mich noch erinnern kann ca. 10-15 Meter Heu (1 Meter = 100 kg). Da man nur ein Drittel bekam (zwei Drittel musste man der LPG abgeben), musste man dreimal so viel wie benötigt mähen und einbringen. Das Heu machen ging bis Ende September. Der erste Schritt war das Mähen. Danach musste man auf schön Wetter hoffen und nach ein Paar Tagen das Heu wenden. Nach dem Sensenschnitt liegt das Heu auf Mahden. Danach hat man gewendet. (Das Wenden bedeutet, dass man die Mahd einmal umdreht, damit sie auf der bisher unten liegenden Seite auch trocknet). Nach weiteren paar Tagen soweit das Wetter mitspielte hat man das Heu zammgemacht und Schober gemacht die dann auf der Wiese stehen blieben, bis man die Zeit hatte das Heu einzubringen. Im September war dann der zweite Schnitt, das sogenannte Gromet. Das Gras war viel zarter als beim ersten Schnitt und dementsprechend auch von besserer Qualität, allerdings waren die Mengen viel kleiner.

Das Raki brenne (Schnaps brennen) war auch ein Highlight. Die Maische wurde, je nachdem wann man dran war, ab Oktober bis November zum Rakikessel gebracht und "gebrannt". Es wurde non stop gebrannt. Je nachdem wie viel Maische man hatte, konnte das über 24 Stunden und sogar länger gehen.

Die Saison für das Wildschwein hiede (hüten) (eigentlich müsste es Kukruz hiede heißen), ging sobald die ersten Kolben sich gebildet haben los, heißt Juni-Juli und endete mit der Ernte, sprich September. In der Abenddämmerung ging es los und endete mit dem Morgengrauen. Damit es etwas gemütlicher war und man sich nicht in doch so manch einer kälteren Nacht erkältete, hat man sich aus Ästen oder Strohballen eine Hütte gebaut in der man als nach Mitternacht, oder am frühen Morgen auch eingeschlafen ist. Hatte man Pech und der Hund (die Hunde) haben nicht angeschlagen, haben die Wildschweine gewütet, und das Hüten war für die Katz. Man hatte gewöhnlich ein so genanntes Karbid Rohr, mit dem man böllerte und hoffte, dass die Schweine erschrecken und fernbleiben. War aber nicht immer so. Es konnte passieren, dass am anderen Ende, trotz Lärm das Maisfeld in ein Schlachtfeld verwandelt wurde. Das Rohr war etwa 1 m lang und hatte einen Durchmesser von etwa 5-10 cm, am unteren Ende geschlossen und 10-15 cm darüber mit einem "Zündloch" versehen. Das Rohr wurde paar cm in die Erde gerammt, ein Stück Karbid ins Rohr, etwas Wasser darüber und paar Sekunden gewartet bis sich explosive Gase (Acetylen) gebildet haben. Danach ein Zündholz oder Feuerzeug an das Zündloch gehalten. Es gab eine Stichflamme am oberen Ende des Rohres und einen heftigen Knall. Der Knall war umso lauter, je länger und dicker das Rohr war.

Das Kukruzlaab schneide war nicht so ohne. Da das Maislaub ziemlich rau und unangenehm auf der Haut war hat man diese Arbeit nachts bei Vollmond verrichtet.

Das Tuwak breche (Tabak ernten) war lange nicht so spannend wie das "Wildschwein hiede". Es ging los mit dem Zuweisen einer Parzelle von der LPG. Das Pflanzgut kam auch von der LPG. Im Mai wurde gepflanzt, danach zweimal gehackt und angehäufelt. Ab Juli wurde mit der Ernte begonnen. Die Blätter am Stängel, wurden von unten nach oben gebrochen. Die unteren Blätter nannte man "Sandblätter", weil sie schmutzig und sandig waren (Grund dafür war der Regen der auf dem Boden aufschlug und ihn aufwirbelte). Sobald die ersten 3-5 unteren Blätter schön gelb waren hat man mit dem Breche begonnen. Es brauchte 4-5-mal Breche, bis alle Blätter geerntet waren. Die Blätter wurden sorgfältig übereinander gestapelt, damit sich keine Falten oder Risse bildeten, und mit der Schubkarre oder dem Pferdewagen nach Hause gefahren. Dort wurden Sie zeitnah, spätestens am nächsten Tag (damit sie nicht auf dem Stapel anfangen zu gären) auf einer 2-3 m langen Schnur "eingenäht". Der nächste Schritt war das Aufhängen an einen luftigen und trockenen Ort (Scheune oder auch Maisspeicher). Der Tabak ist dann je nach Wetter 3 bis 4 Wochen langsam getrocknet und hat hoffentlich eine schöne gelbe Farbe bekommen. Danach wurde er gepischelt, dass heißt, dass man Büschel von etwa 20-30 Blätter formte, die dann nach Güte sortiert in Ballen gebündelt wurden. Die Ballen mussten an den Staat verkauft werden. Zum Büscheln durften die Blätter nicht sehr trocken sein, damit sie nicht brechen. Also musste man darauf achten, dass sie etwas anzogen und geschmeidig wurden. Wenn ich mich richtig erinnere, haben wir die Schnüre morgens in den Keller oder Weinkammer gebracht und am Abend, wenn die Blätter geschmeidig waren, bis tief in die Nacht gebüschelt.

Jedenfalls war es bei uns zu Hause so. Ob das allgemein üblich war weiß ich nicht, glaube aber schon.
Anton (Anti) G.